Sonntag, 29. Juni 2014

Eindruck zu Cthulhus Ruf 5

Pünktlich zur RPC ist die inzwischen fünfte Ausgabe Cthulhus Ruf erschienen!
Nachdem ich Ausgabe 2, 3 und 4 bereits unter der Kamera vorgestellt habe, wollte ich eigentlich auch diese Ausgabe "durchblättern". Leider waren die Ergebnisse nicht wirklich zufriedenstellend, weshalb ich meinen Eindruck jetzt einfach hier zusammenfasse.

Wie immer hat die Ausgabe auch wieder ein Thema. Dieses mal ist lautet es Cthulhu Noir
Zum Einstieg behandelt der obligatorische Flüstertütenartikel das Thema Menschen im Abenteuerfokus. Ich fand den Artikel nicht besonders erhellend, aber nett zu lesen. 
Danach gibt es einen Artikel zu John Carpenter und den Mythos. Besonderen Fokus finden die 3 Filme der Apocalypse Trilogy. Nach der Lektüre der 2 Seiten war ich nicht unbedingt sehr viel schlauer, hab aber Lust die Filme noch einmal anzusehen.
Bei Höhenflug handelt es sich um die Übersetzung eines Cthulhu Now Szenarios aus der Unspeakable Oath. Ich finde es super, dass OU Material für Cthulhus Ruf übersetzt wird. Die deutsche Cthulhu Szene hat ja den Ruf Scheuklappen tragend, sein eigenes Spiel zu samme.. ähm spielen. Darum freut mich der Blick über den Tellerrand sehr! Das Abenteuer ist sehr gut aufgemacht. Es gibt ein Flußdiagramm in dem Szenen und Spuren nachvollziehbar dargestellt werden. Es werden einige Vorschläge zu passenden Charakteren, unterschiedlichen Einstiegen/Lösungen und dem Spiel als One-Shot/Kampagnenteil mitgegeben.  Sehr gefallen haben mit die handschriftlichen Einwürfe im Abenteuertext. Diese enthalten sowohl Zusatzinformationen als auch zynischen Kommentare für den SL.
Tränen einer verlorenen Wahrheit greift endlich das Noir Thema auf. In dem Abenteuer wird fleißig mit Klischees gespielt, so gibt es die typische Femme Fatal, ein geheimnisvolles Verbrechen, verschiedene Parteien und das Ganze spielt im Hollywoodumfeld. Auch hier gefällt mir die Abenteuerstruktur. Schauplätze und Szenen haben wenig Fließtext. Dafür werden die verfügbaren Informationen stichwortartig als Bulletpoints aufgegliedert. Finde ich sehr praktisch, da ich meine Spielleiternotizen ähnlich aufbaue.
Der Atem der Tiefe ist ein One-on-One Szenario, also für einen Spieler und einen Spielleiter gedacht. Der Spieler übernimmt die Rolle eines Ermittlers der ägyptischen Polizei und muss einen rätselhaften Todesfall am Set des Films "Land der Pharaonen" aufklären. Eigentlich ein solides Abenteuer, das aber irgendwie unvollständig wirkt.  Rein vom lesen würde ich sagen, das es mehr Möglichkeiten geben sollte den SC unter Druck zu setzen, das Filmthema ist leider nur Mittel zum Zweck und Optionen fürs Gruppenspiel würden das Abenteuer flexibler einsetzbar machen.
Im Artikel Dunkle Schatten vor laufender Kamera geht es um Filme und Filmstudios im Noir Setting. Neben einigen Informationen zum Filmbusiness der 50er Jahre enthält der Artikel auch einige tolle Vorschläge zur Mythoseinflechtung. Ich persönlich hätte mir ja eine Betrachtung der 50er Monster und SciFi Filme gewünscht, aber das hätte wohl den Rahmen gesprengt und passt auch nicht wirklich in den Noir Fokus der Ausgabe.
Danach gibt es auf 2 Seiten das Abenteuer Drei Kerzen. Das Konzept der flexibel einsetzbaren "Two-Sheets" Tatorte finde ich ziemlich klasse. Leider ist dieses Abenteuer meiner Meinung nach nicht so gut gelungen. Es gibt zwar einige Spuren am Tatort, allerdings bringt nur eine Spur die SCs wirklich weiter und diese erfordert schon etwas mehr Denkarbeit. Aber das spielt, genau wie der Tatort selbst, im Grunde keine Rolle! (Spoiler markieren:) Unabhängig vom Ermittlungsverlauf wird der Bösewicht nämlich von selbst auf sich aufmerksam machen und die SCs werden zum Finale geschickt. Schade.
Im "Fragmente des Grauens" Artikel N2S2 gibt es 3 Mythosszenarien auf Basis der US-Atomtests in Nevada. Die Ausgangsgeschichte ist für meinen Geschmack zu lang und zu egal. Die Szenarien sind sehr unterschiedlich. Wirklich gefallen hat mir aber nur das Zweite, ist aber sicher Geschmackssache.
Auf den folgenden 5 Seiten wird das Thema der Reise im cthuluiden Rollenspiel genauer beleuchtet: Wenn jemand ein Reise tut… Der Artikel gibt einen einige Gedankenanstöße zum Thema. So wird betrachtet was die verschiedenen Reisearten für Möglichkeiten und Hindernisse im Rollenspiel bieten. Auch die Heldenreise und Reisen bei Lovecraft wird beleuchtet. Sehr positiv sind mir die direkten Bezüge auf Cthulhu Abenteuer und Mythos Geschichten aufgefallen. Ich mach mir selbst eher selten solche Metagedanken, darum hat mir der Artikel auch gut gefallen. An meiner üblichen Herangehensweise, Reisen im Regelfall mit 3 Sätzen abzuhaken, wird der Artikel aber nicht viel ändern. 
In Ich, Nyarlathotep wird versucht einen alternativen Blick auf den großen Alten zu werfen. Der Artikel geht davon aus, das die 1000 Masken des kriechenden Chaos sich ursprünglich aus Menschen entwickeln. Dies erklärt auch warum viele Masken so menschlich erscheinen. Es wird erläutert warum dies so ist und wie die Verwandlung vonstatten gehen könnte. Ein wirklich guter Artikel, der eine schöne Nyarlathotep Alternative bietet. Und oben drauf bekommt man 12 Beispielmasken mit Hintergrund, Entstehungsgeschichte und Werten.
Das zweite Gesicht behandelt Esoterik im Kontext der Janus Gesellschaft. Im Artikel wird angenommen das es Geister, Medien und Visionen wirklich gibt und von den Janobiten erforscht werden. Hierzu werden die optionalen Fertigkeiten Aura und Tarot angeboten und mit Regeln unterfüttert. Interessant: Ursprünglich sollte dieses Thema auch im Janus Band behandelt werden, wurde aber verworfen. Ich persönlich finde diese profane Magie bei Cthulhu eher störend. Ein Artikel über Esoteriker, die unwissend Mythosmagie anwenden und falsch interpretieren, wäre mir lieber gewesen. Ich finde es aber Klasse das Inhalte, die es nicht in die Bücher geschafft haben, hier einen Platz finden.
Zum Abschluss gibt es wieder einen ausgearbeiteten NSC: Studenta Elena zu GrafenbergHierbei handelt es sich um eine Gedankenleserin, die von ihren Eltern im Wald versteckt wurde, weil sie die Stimmen in ihren Kopf nicht mehr ertrug. (Klingt für mich ein bisschen nach True Blood ohne Vampire :) ) Sie und ihre Eltern werden von Mitgliedern der Janus Gesellschaft unterstützt. Mir gefällt die Idee von den janus-internen Gerüchten über das geheime Mitglied, der "Hexe im Wald". Elena werden zwar ein paar Zaubersprüche aus okkulten Werken an die Hand gegeben, einen wirklich Mythosbezug muss sich der Leser aber leider selbst denken.

Das beiligende 32 seitige Archiv Heft enthält Settingregeln für Cthulhu Noir. Gut gefallen haben mir die Regeloptionen für Stabilität und die "Armitage Files-artige" Beschreibung der Orte in L.A. Am besten ist aber der kurze Mythos Abschnitt, in dem Vorschläge für noir-taugliche Artefakte, Zauber und Kreaturen gemacht werden. Dies erleichtert die Arbeit mit den Quellenbüchern enorm! (Falls jemand von der Pegasus Redax mitliest: Für die nächsten Monster und Magie Bücher wünsche ich mir themenbezogene Listen im Anhang! "Alle Monster im Wasser"; "Zaubersprüche die Zeit manipulieren"; "Wesen die mit profanen Waffen verletzt werden können" etc.)

Abschließend

Der Druck und die Auswahl/Qualität der Bilder ist wieder hervorragend! Inhaltlich wird das hohe Niveau gehalten, wenn auch leider nicht immer meinen Geschmack getroffen wurde. Für 6 Euro macht man mit dem Heft auf jeden Fall keinen Fehler! Allein für das Noir Heftchen lohnt es sich!
Ein wenig Schade finde ich, dass sich das Heftthema nur in 4 Artikeln + Zusatzheft wiederfindet. Auf der anderen Seite würde ich nur ungern auf das breite Spektrum der allgemeinen Artikel verzichten. Vielleicht wären wechselnde Themen und Non-Themen Ausgaben eine Lösung?

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