Sonntag, 12. Juni 2016

Mein Senf zu "Cthulhu Königsdämmerung - Tagebuch für Spieler"

Eigentlich ist es nicht mein Stil über nur oberflächlich begutachtete Produkte zu urteilen, aber hier mach ich mal eine Ausnahme.

Vor einigen Monaten gab es von Pegasus die interessante Ankündigung eines Spielertagebuchs für die Königsdämmerung Kampagne.
In meiner Erwartung sah das Ganze etwa so wie die kampagnenbegleitenden Büchlein "Occult Guide to London" (Bookhounds of London), die beiden Hardcover "The Journal of Neve Selcibuc" und "The Journal of Reginald Campbell Thompson" (für The Curse of Nineveh) oder den ingame "Monsterbibeln" der World of Darkness aus. Vielleicht sogar im Stil der DSA Vademeci oder eines klassischen Notizbuchs. Darin auf die Kampagne abgestimmte Informationen und Handouts. Und im besten Fall im Set mit einer Mappe, die weiteres Material wie Fotos, Umschlägen, Karten und weitere Handouts zu einkleben/abheften enthält. Erfahrung mit sowas hat man ja bereits bei den alten Kampagnen Boxen (Auf den Inseln, Orient Express) und den beiden Berge des Wahnsinns Expeditionspacks gemacht.
Auf dem deutschen RPG Markt wäre so ein Produkt auch eine ziemliches Alleinstellungsmerkmal und ein wirklich schönes Erinnerungsstück für die Spieler nach der Kampagne.
Dazu kommt, dass es nicht unwahrscheinlich ist, das Königsdämmerung die Nachfolge unserer Eternal Lies Runde antritt. Im Zuge dessen könnten wir das Tagebuch vielleicht auch für unsere Hangout Runden nutzen, um ein wenig mehr Haptik ins virtuelle Onlinespiel zu bringen.

Also hab ich mir die Kampagne und das Tagebuch gekauft. Leider ist das Tabuch nicht mehr als ein 10€ Softcover im Stil der aktuellen Recycling (pun intended) Abenteuerbände. Mir ist schon klar das meine oben beschriebene Idealvorstellung in der Produktion aufwändig und teuer wäre, aber man hätte sich ja auch in der Mitte treffen können.
Aber vielleicht taugt ja der Inhalt was. Im Vorwort wird gesagt, dass das Tagebuch fast alle Handouts enthält. Das liegt, soweit ich weiß, wohl daran, das einige Handouts von den Aktionen der Spieler abhängig sind und erst dann entsprechend vom SL ausgeteilt werden sollen. Also darf man doch wieder Handouts selbst ausdrucken. Und wie man mit “nicht gefundenen” Handouts umgehen soll wir leider offen gelassen.

Neben Handouts und Grundrissen enthält das Buch auch NSC Portraits, Landkarten und Informationen zu Reisezielen. Zu jeden der 12 Kapitel werden 1-3 Seiten für eigene Notizen leer gelassen. Bei den Handouts selbst schien Leserlichkeit nicht unbedingt an erster Stelle zu stehen. Die handgeschriebenen Teile sind manchmal schwer zu entziffern (bspw. S.14) und die abfotografierten Dokumenten sind gerne mal unscharf, kontrastarm und dunkel (bspw. S.28;62;68;73 -77).
Die vielen Grundrisse und Umgebungskarten sind leichter zu deuten, aber von sehr schwankender Qualität und reichen von einfachen Skizzen bis zu illustrierten Karten (S.32 und 33 bieten einen guten Blick auf das Spektrum).

Aufgrund der reinen Handout-Menge der Kampagne bietet sich der Band natürlich den Vorteile das man alles an einer Stelle hat und die "Zettelwirtschaft" rapide gesenkt wird. Nur wirkt die Umsetzung billig und lieblos. 10 Euro ist zwar günstig, wer aber die Kampagne wirklich spielen möchte, sollte sich mMn für das Geld lieber ein schönes Notizbuch und Büroklammern besorgen. Und für das übrige Geld fertigt der SL ein paar vernünftige Ausrucke der verfügbaren Handouts an. Da fehlen dann zwar ein paar Portraits und Infos, aber am Ende hat man fast das selbe Ergebnis nur in schön und individuell.

Das ist jetzt vielleicht wieder einmal nach viel Gemecker, aber das liegt auch daran das mich das Produkt wirklich ärgert. Denn die grundsätzliche Idee des "Handout Pakets" finde ich wirklich toll. Nur leider bietet es in dieser Form kaum Mehrwert, sondern wirkt wie ein Versuch mit möglichst wenig Aufwand auch mit den Spielern irgendwie Geld zu verdienen. Und das ist Schade, denn da wäre sehr viel mehr Potential drin gewesen.

Davon unabhängig hat der Überblick über die Masse und Länge der Handouts dafür gesorgt, dass die Kampagne für meine Planung erst einmal ausschließe und ungelesen im Regal landet. In sofern hat sich das Tagebuch für mich also doch  gelohnt.

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